Ich bin Lehrer. Und Nerd. Beides gleichzeitig zu sein, führt dazu, dass man bei vielen Mitmenschen entweder in staunende oder panisch-glänzende Augen schaut, sobald das Wort „KI“ fällt. Viele denken dabei entweder an Terminator oder an das coole Ding, das Kinder längst für Hausaufgaben nutzen – während sie selbst noch überlegen, ob sie ihr WLAN-Passwort sicher genug gewählt haben.
Was ein LLM ist und warum das kein geheimes Schüler-Tool aus Hogwarts ist
Fangen wir kurz technisch an, keine Sorge, ich mache es schmerzlos: Ein LLM – ein sogenanntes Large Language Model – ist ein Computerprogramm, das sehr, sehr viel Text gelesen hat. So viel, dass es die meisten Menschen locker in der Deutsch-Arbeit abhängen würde. Diese Modelle, zu denen unter anderem ChatGPT, Claude oder Gemini gehören, können Texte generieren, die so klingen, als hätte sie ein Mensch geschrieben. (Ob das am Ende ein schlauer Mensch war oder nicht, steht auf einem anderen Blatt!)
Das Prinzip ist einfach: Die KI schätzt mit extremer Präzision, was das wahrscheinlich nächste Wort in einem Satz ist. Klingt banal, führt aber dazu, dass sie in Sekunden Bewerbungsschreiben, Gedichte oder die Interpretation von Goethes Faust raushaut – während man selbst noch nach dem ersten Satzanfang sucht.
Welche LLMs gibt’s denn überhaupt – und was können die?
OpenAI hat ChatGPT gebaut, das vermutlich bekannteste dieser Modelle. Dann gibt’s noch Googles Gemini, Anthropic mit Claude, Meta mischt mit LLaMA auch mit – die Liste wächst schneller als die Zahl an Instagram-Influencern, die behaupten, damit reich geworden zu sein.
Links zu bekannten LLM
- ChatGPT (OpenAI) – der Klassiker unter den LLMs, zugänglich über Web oder App
↳ chatgpt.com - Claude (Anthropic) – mit Fokus auf Sicherheit, Analyse und „extended thinking“
↳ claude.ai - Google Gemini – multimodal, verknüpft mit deinen Google-Diensten (Gmail, Photos etc.)
↳ gemini.google.com - Llama (Meta) – Open‑Source‑Modellreihe, aktuelle Version ist Llama 4
↳ llama.com
Jedes Modell hat so seine Macken. Die einen lügen charmant (nennt sich Halluzination), die anderen wissen angeblich mehr über Datenschutz (dazu gleich), aber am Ende bleibt’s dabei: Die Dinger können richtig gut schreiben – wenn man sie lässt. Und wenn man weiß, was sie tun.
DSGVO – oder: Warum Schüler lieber den Taschenrechner benutzen sollten als ChatGPT
Jetzt kommt der europäische Teil der Party: Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO. Das bedeutet im Klartext: Wenn ein LLM Daten verarbeitet, die irgendwie personenbezogen sind – z.B. Name, Adresse oder auch die Info, dass ein Schüler genau der ist, der ständig bei Mathe abschreibt – dann wird’s kritisch. Man darf also nicht einfach Daten von Dritten in ChatGPT eingeben, ohne sich vorher Gedanken zu machen, ob man das überhaupt darf oder sie – beispielsweise – zumindest zu anonymisieren. Die LLM-Modelle sitzen oft auf Servern in den USA (oder sonstwo) – zumindest selten innerhalb der Grenzen Europas. Und auch dann bleibt die Frage, ob eine Verarbeitung personenbezogener Daten überhaupt zulässig wäre. Solche Daten einfach in die KI zu schicken kollidiert mit unseren europäischen Datenschutzvorstellungen ungefähr so wie die typischen TikTok-Challenges mit gesundem Menschenverstand.
Also: Als Lehrkraft darf ich KI zwar ganz allgemein nutzen – aber nicht für personenbezogene oder sonstige Schülerdaten. Allgemeine Texte schreiben lassen? Klar. Zeugnisse generieren? Auch anonymisiert bestenfalls nur mit Bauchweh.
Wird die Schule jetzt zur KI-Fabrik und die Schülerinnen und Schüler immer dümmer?
Hier wird’s spannend. Die Angst geht um: Wenn die KI ab jetzt die Hausaufgaben schreibt, verdummt dann die Generation TikTok? Vermutlich nur, wenn wir zulassen, dass sie die KI anstatt zu lernen benutzt – statt damit zu lernen.
Ich versuche Schülerinnen und Schülern zu vermitteln: Nutzt die KI. Holt euch Inspiration. Lasst euch Teile eurer Texte schreiben, wenn ihr blockiert seid. Aber versteht (bitte!) was da steht. Bis auf’s letzte Wort! Und lest es – mehrfach – durch, bevor ihr es abgebt. Sonst könnt ihr am Ende keine Rückfrage beantworten und seid kein Stück schlauer – passiert öfter, als ihr denkt.
Die große Gefahr liegt nicht in der Technik selbst. Die große Gefahr ist die faule Bequemlichkeit, die sich einstellt, wenn man glaubt, ChatGPT oder Claude hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen. (Spoiler: Haben sie nicht!) Die KIs sind wahnsinnig gut darin, plausibel zu klingen. Nur leider ist „plausibel“ nicht gleich „richtig“. Und vor allem ersetzt KI-Text ohnehin nicht das eigene kritische Denken.
Genau wie beim Taschenrechner gilt letztlich auch beim Einsatz von KI: Wer nicht versteht, was da passiert, schreibt am Ende zwar die richtige Lösung auf – kapiert aber nicht, warum. Und das macht dumm. Nicht die Technik, sondern der falsche Umgang damit ist also ein Problem.
Schulsystem vs. KI – Leugnen bringt nichts
Jetzt wird’s ungemütlich, denn mit einfachem Kopf in den Sand stecken („Wird schon vorbeigehen!“) ist es für das System Schule an dieser Stelle nicht getan. Also das große Ganze, nicht die kleine, nette Schule von nebenan. Das System Schule neigt dazu, neue Technologien erstmal zu ignorieren, in der Hoffnung der Umgang damit regelt sich schon von selbst.
Die Realität? Schülerinnen und Schüler nutzen KI längst. Nicht alle, klar. Aber genug. Die einen schreiben Hausaufgaben damit, die anderen lassen sich Matheaufgaben erklären, die dritten versuchen, ganze Referate über Nacht aus dem digitalen Hut zu zaubern. Und während das passiert, diskutiert das System Schule noch, ob wir dafür jetzt einen Arbeitskreis oder erst mal ein Pilotprojekt brauchen.
Fakt ist: Die KI wird nicht verschwinden. Also müssen wir uns überlegen, wie wir sie sinnvoll in Schule integrieren. Das bedeutet auch, dass Prüfungen überdacht werden müssen. Eine Hausarbeit, die jemand gemütlich von ChatGPT zusammenklicken kann, ohne selbst nachzudenken? Hat als Leistungsnachweis ausgedient. Aber eine Diskussion im Unterricht, eine Präsentation mit Rückfragen, mündliche Prüfungen – das alles bleibt.
Das System Schule muss aufhören, die KI zu ignorieren oder zu verteufeln. Sie gehört jetzt dazu. Und wer sie sinnvoll einsetzt, bringt Schüler dazu, mit der KI zu lernen – anstatt sich von ihr ersetzen zu lassen. Die Welt „da draußen“ macht es schon genau so: Hochschulen, Unternehmen, Privatleute. Und wir im Klassenzimmer dürfen nicht die Letzten sein, die das bemerken.
Mein Fazit: Lass dich von der KI nicht verarschen
Ganz am Ende bleibt die Sache erschreckend simpel: Nutzt die KI. Nutzt sie oft. Aber niemals(!) für etwas, das ihr nicht selbst verstehen, durchlesen und zur Not in der mündlichen Prüfung erklären könnt.
Die KI kann der bester Lektor, ein Schreib-Coach, ein Ideengeber sein. Sie kann die Rettung sein, wenn man mal wieder auf den letzten Drücker einen brauchbaren Einstieg für einen Text sucht. Aber sie ist kein Ersatz für das eigene Gehirn. Wer einfach blind übernimmt, was die Maschine da raushaut, merkt spätestens dann, wie dünn das Eis ist, wenn mal jemand nachfragt, warum da plötzlich ein Absatz über mittelalterliche Landwirtschaft im Aufsatz über Social Media steht.
Und glaubt mir: Ich hab’s schon gesehen. Schülerinnen und Schüler, die Texte abgeben, die klingen, als hätte sie ein hochbezahlter Ghost-Writer geschrieben – nur um dann im gemeinsamen Gespräch zu sitzen wie ein Reh im Scheinwerferlicht.
Darum, mein ernstgemeinter Nerd-Tipp: Die KI kann viel. Aber sie macht niemanden automatisch klüger. Das musst man schon selbst übernehmen. Und genau das muss der eigene Anspruch bleiben – egal, ob man eine Hausarbeit mit Word, Füller oder ChatGPT schreibt: Denken und lernen muss man immer noch selbst!

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